Leben im Holzhaus
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Das älteste Holzhaus Europas

Das älteste bekannte Holzhaus Europas ist das Haus Nideröst aus Schwyz im Schweizer Kanton Schwyz.
Es stammt nach einer Untersuchung von 1998 aus dem Jahre 1176, war bis 1980 bewohnt und wurde 2001 für den Neubau eines Einkaufszentrums abgerissen.

Der Abriss erfolgte, obwohl die Fachleute des Schweizer Heimatbundes ihm einen "tadellosen Zustand" bescheinigten. Andere Experten machten geltend, dass von der originalen mittelalterlichen Bausubstanz durch frühere Umbauten und Versetzungen nicht mehr viel erhalten geblieben sei. Trotzdem gilt das Haus als wertvolles Kulturgut, welches wichtige Einblicke in die Entwicklung des Holzbaues in der Innerschweiz ermöglicht.

Das Haus Nideröst vor dem Abriss

 

Derzeit lagert das über 800 Jahre alte Herrenhaus zerlegt in einer Halle des Tierparks von Goldau (Schweiz).

Dort sollte es, wenn denn eine Finanzierung gesichert werden könnte (die Kosten des Wiederaufbaus werden gegenwärtig auf mehrere Millionen Franken geschätzt) nach seinem Wiederaufbau Kernstück eines "hochmittelalterlichen Bauernhofes" sein.

Bis jetzt gab es schon mehrere erfolglose Versuche, eine neue Heimat für das alte Haus zu finden, die sämtlich an der Finanzierung scheiterten. Auch der Regierungsrat des Kantons hat - nach einer ursprünglichen Zusage - eine Beteiligung ausgeschlossen.

 

Fahrlässiger Umgang mit Kulturgut

Inzwischen gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass der geschichtsträchtige Bau (er ist über 100 Jahre älter als die Eidgenossenschaft selbst) noch einmal neu erstehen kann: Schon bei dem Abriss im Jahre 2001 wurde nur das Kernhaus gesichert, spätere Anbauten aber entsorgt. Im Jahr 2004 wurde das Resthaus dann zu Studienzwecken noch einmal kurzzeitig aufgebaut, was der Substanz zusätzlich geschadet hat.

Zunächst hatte uns die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) in →diesem Artikel im "Holznagel" 5/2000 aufmerksam gemacht. Ende 2010 ist dann →dieser Artikel bei SchwyzKulturPlus erschienen.

 

Im inneren Teil des Kantons Schwyz zwischen Arth und dem Muotatal gibt es die größte bekannte Häufung uralter Holzhäuser. Fachleute wie der Archäologieprofessor Georges Descoeudres (Universität Zürich) begründen dies mit der hervorragenden Zimmermannskunst der alten Schwyzer wie auch der Verwendung von sorgfältig ausgesuchtem qualitativ besten Kernholz.
Von knapp zwanzig im Raum Schwyz nachgewiesenen mittelalterlichen Holzhäusern sind seit 1990 mindestens fünf abgerissen worden, obwohl diese Häuser Kulturgüter ersten Ranges von europäischer Bedeutung waren. Desinteresse und mangelndes Engagement der Besitzer wie auch der Behörden behindern offensichtlich auch hier die Bewahrung dieser einmaligen Bauten.

Aber es geht auch anders: Beispielsweise das Haus Büölti in Ried ob Schwyz gilt als Sensation, weil es sich in gutem baulichen Zustand befindet und gänzlich original erhalten geblieben ist. Dieses wohl drittälteste Blockhaus Europas, erbaut 1298, wird von seinen heutigen Eigentümern restauriert und soll danach wieder als Wohnhaus genutzt werden.

Unter dem Titel "Schweizer Holz-Wohnhäuser: jahrhundertealt" informiert auch die Seite →swissinfo.ch über einige der ältesten Holzhäuser der Schweiz.

 

Warum man weiß, wie alt ein Holzhaus ist 

Der Kern des Nideröst-Hauses z.B. wurde um 1176 errichtet. Wie können die Archäologen das so genau wissen? Dank Dendrochronologie. Diese Methode nutzt die Jahrringe von Bäumen zur Datierung von Holz. Weil die Breite der Ringe jeweils vom Wetter abhängt, das während eines Jahres herrschte, sind die Muster bei allen gleichaltrigen Bäumen einer Art gleich. Kennt man nun die Ringe einer 100-jährigen Eiche und findet einen Baum, der noch ein paar Jahrzehnte älter ist, hängt man die Jahrring-Muster dort zusammen, wo sie sich überlappen. Auf diese Weise gelangt man von Baumgeneration zu Baumgeneration weiter zurück in die Vergangenheit. Inzwischen sind für die mitteleuropäische Eiche die Jahrring-Muster der letzten 12 000 Jahre bekannt. Die Archäologen mussten also nur noch die Jahrringe der dicken Holzbalken des Nideröst-Hauses genauer untersuchen und konnten mit Leichtigkeit eruieren, wann die entsprechenden Bäume gewachsen waren. Bauliche Details belegten, dass man frisch gefälltes Holz verwendete. Das Alter des Gebäudes entspricht also dem Alter des Bauholzes.




Veröffentlicht am 26. Oktober 2009



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