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Der Ausstieg aus dem Ausstieg - oder Strom ohne Atom

Publik-Forum - Dossier "Tschernobyl. Fukushima. Aussteigen für immer."Nur ein halbes Jahr nach der Laufzeitverlängerung für die bundesdeutschen AKW ist schmerzhaft deutlich geworden, dass Atomkraft nicht sicher beherrschbar ist. Mehr aus Wahlkampfkalkül denn aus Einsicht hat nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima die Bundesregierung wenigstens die ältesten Meiler vom Netz nehmen lassen und will nun im Eilverfahren nachholen lassen, was schon seit Jahren überfällig ist: eine Überprüfung, was alles uns blüht, wenn wir weiter auf Atomkraft setzen.

 

Publik-Forum hat die aktuellen Vorgänge zum Anlass genommen, nach dem Dossier "Strom ohne Atom" vom Oktober 2010 ein weiteres Dossier zu veröffentlichen: "Tschernobyl. Fukushima. Aussteigen für immer".

Das ganze Dossier können Sie sich kostenfrei zumailen lassen bei Publik-Forum, kritisch - christlich - unabhängig, Dossier "Strom ohne Atom", Oberursel.

 

 

Aus dem Publik-Forum-Dossier "Strom ohne Atom" vom Oktober 2010 dokumentieren hier für Sie zwei Texte von Wolfgang Kessler.

 

Die Bundesregierung hat sich entschieden. Publik-Forum | Strom ohne AtomSie folgt mit ihrem Atomkurs den Wünschen der großen Energiekonzerne. Nach den Beschlüssen des Kabinetts müssen sich die Deutschen auf weitere 25 bis 30 Jahre Atomkraft einstellen. Das bedeutet noch mehr strahlenden Atommüll, noch größere Unfallgefahren und dafür weniger Chancen für die erneuerbaren Energien, denen die Zukunft gehört. Stattdessen wird die Macht der Großkonzerne mit ihren zentralistischen Großtechnologien weiter zementiert.
Mit ihrem Kotau vor den Konzernen verpasst die Regierung eine große Chance: nämlich in Deutschland endgültig eine Energiewirtschaft durchzusetzen, die künftigen Generationen so wenig Lasten wie möglich hinterlässt, die die Endlichkeit der Ressourcen respektiert und die die Grundlage für eine innovative und nachhaltige Wirtschaft bietet. Dabei haben zahlreiche Wissenschaftler aus unterschiedlichen politischen Lagern längst nachgewiesen, dass Strom ohne Atom schon in wenigen Jahrzehnten möglich ist. Längst wissen Unternehmensberater, dass das Gros der künftigen Arbeitsplätze grün sein wird oder gar nicht. Die Bundesregierung ignoriert diese Chancen.
Deshalb wächst der Widerstand gegen ihre Atompolitik – auch bei Menschen, die sich bisher kaum politisch engagiert haben. Dieser Widerstand weckt die Hoffnung, den Atomkurs der Regierung noch kippen zu können. Mit dem vorliegenden Dossier wollen wir diese Hoffnung stärken. Es zeigt auf, wie Städte und Regionen schon heute erfolgreich in das Zeitalter der erneuerbaren Energien einsteigen. Es zeigt auf, wie auch bundesweit eine Stromversorgung ohne Atom möglich ist. Und es zeigt auf, wie vielfältig und fantasievoll sich immer mehr Menschen gegen die Atompolitik engagieren, weil sie wissen: Politik bewegt sich nur, wenn sich die Menschen bewegen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Atomkraft für immer?

Atomkraft für immer?

Es geschah im Morgengrauen des 6. September. Um 5.23 Uhr hatten die Spitzen von RWE, E.On, Vattenfall und EnBW mit der Bundesregierung vereinbart, dass ihre 17 Atomreaktoren durchschnittlich zwölf Jahre länger laufen dürfen, als bisher vereinbart. Spätestens um 5.24 Uhr müssen in den Zentralen der Konzerne die Sektkorken geknallt haben. Auf diese Vereinbarung hatten die Konzernspitzen seit 2001 hingearbeitet. Das war jenes Jahr, in dem sie mit Rot-Grün den langfristigen Ausstieg aus der Atomkraft vereinbaren mussten. Durch zähes Verhandeln und mit dem Druckmittel hoher Entschädigungsforderungen konnten sie den Ausstieg aus der Atomkraft bis etwa 2022 strecken. Für kritische Beobachter war schon damals klar, dass sie alles tun würden, um den Ausstieg zu hintertreiben. Und das taten sie. Zunächst ließen sie Reaktoren immer wieder mit geringerer Leistung arbeiten und verschoben die Reststrommengen auf andere Kraftwerke. So mussten bisher nur die Reaktoren in Stade und Obrigheim vom Netz, alle anderen konnten sie bis zum Regierungswechsel retten. 

 

Kampf gegen die Erneuerbaren

Parallel versuchten die Konzerne, die erneuerbaren Energien und die Kraft-Wärme-Kopplung klein zu halten und zu diskreditieren. Sie begründeten jede Strompreiserhöhung mit dem Ökostrom. Sie heimsten Genehmigungen für den Bau von Offshore-Windparks ein, ohne diese zu bauen. Ihre Ziele sind klar: Sie wollen ihre Macht als zentrale Großanbieter gegen die wachsende Konkurrenz dezentraler Anbieter wie zum Beispiel kommunaler Stadtwerke stärken. Ihre zusätzlichen Gewinne durch verlängerte Laufzeiten könnten bis zu 80 Milliarden Euro betragen, schätzt Olav Hohmeyer. Der Flensburger Professor ist Chef des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und damit einer der »Umweltweisen«.  
Seine Weisheit scheint bei der Regierung kaum gefragt. Ihr Energiekonzept setzt zwar breit an, ist aber auf die Interessen der Atomkonzerne zugeschnitten. Klar: Auch Angela Merkel will den Umstieg auf erneuerbare Energien. Bis zum Jahre 2050 sollen vor allem Offshore-Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee, aber auch Solaranlagen so weit ausgebaut sein, dass 2050 rund 80 Prozent des Stroms ökologisch produziert werden. Im gleichen Zeitraum soll viel Strom eingespart werden. Für den Klimaschutz rechnet die Regierung mit einer Million Elektrofahrzeuge 2020 und sechs Millionen 2030, das klimaschädliche Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken will die Regierung abscheiden und unter die Erde pressen. Um für diesen Übergang bis 2050 jedoch »verlässlich billigen Strom zu haben«, so Merkel, baut die Regierung den Atomkonzernen eine Brücke: Sie verlängert die Laufzeiten der Reaktoren – als Gegenleistung sollen die Betreiber jährlich 2,3 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt zahlen. 

 

Eine Brücke zu den Konzernen

Mit der Theorie von der Atomkraft als Brücke zu den Erneuerbaren unterwirft sich die Regierung den Konzernen. Deren Spitzen wissen genau, dass ihr Atomstrom im nächsten Jahrzehnt leicht ersetzt werden kann. Schon im vergangenen Jahr war Strom aus acht Reaktoren überflüssig. Werden jedes Jahr – wie fest geplant – mehrere Tausend Megawatt Solaranlagen und mehrere Tausend Megawatt Windkraft dazugebaut, ist der Atomstrom bald überflüssig.
Solange jedoch die Atomkraftwerke weiter laufen, hemmt der Atomstrom die Erneuerbaren: Er verstopft die Netze. Wollen dezentrale Anbieter mal mehr, mal weniger sauberen Strom einspeisen – je nach Sonne und Wind –, dann müssten die Atomkraftwerke flexibel zu- oder abgeschaltet werden. Was Gaskraftwerke können, dauert bei Atomanlagen fünfzig Stunden.
Die Brücke zur Atomkraft hat deshalb Folgen für Jahrzehnte: noch mehr Atommüll, wachsende Unfallgefahren, weniger Chancen für erneuerbare Energien.

Und niemand sage, in 25 Jahren sei endgültig Schluss. Kaum war die Tinte unter der Atomvereinbarung trocken, sagte RWE-Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz, dass man »in acht Jahren« wieder über das Thema werde reden müssen. Sie wollen Atomkraft für immer.




Veröffentlicht am 28. November 2010



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